Böllern

 

Böllern

Vor dem Zweiten Weltkrieg war es in Laffeld und auch in anderen Orten des Heinsberger Landes Brauch, bei besonderen Anlässen, insbesondere bei Hochzeiten, durch Böllerschießen Glückwünsche zu übermitteln. Dieser Brauch wurde nach dem Krieg von der Dorfjugend wieder aufgegriffen und bis in die "neunziger Jahre" gepflegt. Bei jeder Hochzeit wurde am Tag selbst, später auch beim Polterabend, geböllert, auch wenn das Fest eines Laffelder Burschen oder Mädchens in einer anderen Ortschaft stattfand.

Nach dem Krieg 1945 benutzte man ein Gerät, das aus einfachsten Mitteln hergestellt war. Es war eine 20 l-Milchkanne mit einem Stechdeckel. Im Boden befand sich ein fingerdickes Loch. Die Kanne wurde mit Carbid gefüllt und etwas Wasser dazugegeben. Schnell wurde die Kanne mit dem Deckel verschlossen und hingelegt. Mit zwei Füßen wurde sie festgehalten. Einer hielt mit dem Finger das Bodenloch zu. Im Inneren bildete sich Gas. Nun wurde eine Flamme an das Loch gehalten. Mit einem riesigen explosionsartigen Knall, der hunderte Meter weit zu hören war, wurde der Kannendeckel ca. 20 bis 30 m fortgeschleudert. Ein gefährliches Unterfangen, das auch zu Hörschäden führen konnte! Bis zu 20 mal wurde oft geschossen, bis das Brautpaar Getränke, Kuchen - später auch Schnittchen - servierte.

Nach dem Krieg wurden aber auch Granathülsen verwendet, die zu einem Rohr zusammengeschweißt und mit einem Holzstopfen versehen wurden. Ab und zu kam es trotz aller Mühe vor, dass der erwartete Knall ausblieb und verpuffte. Dann war "dr' Düvel dren", wie die Dorfjugend zu sagen pflegte.

Im Laufe der Jahre wurde man erfindungsreicher, aber das Böllern wurde ein noch gefährlicheres Spiel mit dem Feuer! Luftballons wurden mit Sauerstoff und Acetylen, bekannt beim Schweißvorgang, gefüllt und aufgehängt. Ein Stab mit Feuer wurde daran gehalten und es kam zu einer heftigen Explosion. Als der Polterabend vor der Hochzeitsfeier Einzug hielt, sollen sogar Burschen im jugendlichen Leichtsinn mit ihrem PKW, beladen mit solchen gasgefüllten Luftballons, in andere Dörfer gefahren sein.

Später wurden die Luftballons durch eine selbst gebaute "Kanone" mit Zünder ersetzt, die besser zu handhaben war. Ein gutes Mischungsverhältnis der Füllung in dem Rohr war für den Erfolg entscheidend. Bei einem Polterabend wurden auch ab und zu Bierglasrosetten ins Rohr gestopft. Nach dem Knall flogen die Papierfetzen meterweit durch die Luft.

Das Tun der Dorfjugend wurde nicht immer mit Verständnis angenommen. Anwohner beschwerten sich oder riefen die Polizei an. Bauern und Tierhalter machten sich Sorgen um ihre Tiere. So erschien beim Böllern in Hastenrath anlässlich einer Hochzeit ein Züchter von Nerzen und forderte: "Aufhören! Unverzüglich aufhören!" Seine Nerze stiegen vor Angst und Schrecken in den Gehegen die Wände hoch. Erschien die Polizei, hatte sie zwar viel Verständnis, aber dann war der Spaß der Jugend zu Ende. Mit der Zeit, etwa in den 80/90er-Jahren schlief der Brauch ein, weil aus Sicherheitsgründen viele Auflagen erfüllt sein mussten. 1994 wurde bei einer Hochzeit in Laffeld zum letzten Male geböllert.

Zu erwähnen ist noch, dass das Böllerschießen auch bei Goldhochzeiten, die früher seltener als heutzutage vorkamen, üblich war. Wenn das Jubelpaar zur kirchlichen Feier unterwegs war, wurden 50 Schuss Salut abgefeuert zu Ehren der Goldhochzeiter.

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