Fronleichnam

 

Fronleichnam

"Glaube, Sitte, Heimat" - diese Parole haben die Bruderschaften seit den Zeiten, da sie die Freiheit ihrer Heimat und ihres Glaubens gegen fremde Heere und herrschsüchtige Landesfürsten verteidigen mussten, auf ihre Fahnen geschrieben und durch die Jahrhunderte bis heute hochgehalten. Sie sahen es als vererbte Verpflichtung an, christlichen Glauben zu verkörpern und Heimat und Sitte zu schützen. Vornehmste Aufgabe war es und dürfte es bis heute sein, aus christlichem Glaubensverständnis heraus den kostbarsten Schatz der Gemeinde, das "Heiligste Sakrament" und den Altar zu schützen aus Liebe zu Christus und seiner Kirche, Brüderlichkeit und Nächstenliebe zu pflegen. Das Mitwirken der Schützenbruderschaft am Fronleichnamstag basiert auf dieser alten Tradition. Die Bruderschaft demonstriert nach außen hin sichtbar, dass es Schützensache war und ist, Christus im Kirchenraum und draußen zu schützen vor Unbill, Entehrung und Geringschätzung. Nicht umsonst stehen bei Schützenmessen die Offiziere, die Fahnen, der König und die Prinzen mit ihren Adjutanten (und Vorstand) ganz nahe am Altar.

Seitdem Papst Urban IV. in Rom im Jahre 1264 das Fronleichnamsfest verbindlich festgelegt hat, wird das Fest am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feierlich in katholischen Gemeinden begangen. Fronleichnam (althochdeutsch "fronlichnam") bedeutet "Herrenleib". An diesem Tag demonstrieren die katholischen Christen öffentlich in einem feierlichen Umzug ihren Glauben, dass Jesus Christus in der Gestalt des Brotes gegenwärtig und Kirche wanderndes Volk Gottes ist.

Seit der Gründung der St. Josef-Bruderschaft Laffeld im Jahr 1921 nimmt sie in jedem Jahr geschlossen an der Fronleichnamsprozession teil. Vier Schützen trugen damals den Baldachin, flankiert von den Offizieren, wie es heute noch Sitte ist. Schützen, König, Prinzen und Offiziere geben bis heute das Ehrengeleit bei der Prozession.
Von jeher wurde das Fronleichnamsfest in Laffeld wie überall mit viel Prunk, daher der Name "Bronk", begangen. So feiert man z. B. in Heinsberg bis heute am Sonntag nach Fronleichnam die "Prunkkirmes". Bis zum Jahre 1983 wurden am Fronleichnamsfest in Laffeld vier Segensaltäre von den Nachbarschaften errichtet und festlich mit Blumen, Kerzen und Fahnen geschmückt. Der erste befand sich am Dorfkreuz am Ende der Maarstraße, der zweite am Ende der Schwierwaldenrather Straße am Haus Offermanns (Haus ist einem Neubau gewichen), der dritte am Haus der Familie Rongen am Ende der Genstraße, der vierte im Kapellchen neben der Familie H. Mertens auf der Maarstraße bzw. im Kapellchen der Familie Gerh. Schmitz an der oberen Maarstraße. Die Fronleichnamsprozession zog im Wechsel von Jahr zu Jahr einmal zum Segensaltar der Schwierwaldenrather Straße, dann im folgenden Jahr zur oberen Maarstraße. Der Prozessionsweg wurde festlich geschmückt. Fahnen hingen an den Häusern; die Prunkpfähle (de "Bronkstecke") mit kleinen Fahnen wurden am Straßenrand aufgestellt. Die Familien errichteten mit viel Liebe und frommem Sinn in den Hauseingängen oder in den Fenstern kleine Hausaltäre mit religiösen Bildern oder Figuren. Die Kinder wurden vor dem Fest losgeschickt, an den Feldwegen Blumen zu pflücken zum Schmuck der Segensaltäre und des Prozessionsweges: Kornblumen, Klatschmohn usw.; Blumen, die heute nur noch selten anzutreffen sind. In den Hausgärten wurden eigens für das Fronleichnamsfest Gartenblumen gezüchtet. Die Nachbarschaft an der Pfarrkirche gestaltete mit viel Mühe und Liebe zum Detail einen Teppich aus buntem Sägemehl und Blumen auf dem Zugang zur Kirche, teils auch heute noch an den Segensaltären üblich. Alte und Junge nahmen möglichst an der Prozession teil. Während der Prozession regelten Brudermeister mit dem Prozessionsstab den Ablauf des Betens. Sie wurden später durch den Vorbeter mit tragbarem Lautsprecher abgelöst. Alte, gebrechliche und kranke Dorfbewohner waren - wenn möglich - am nächstgelegenen Segensaltar anwesend, um den Segen zu empfangen.

Kapellchen neben
Haus Schmitz

Ab 1984 kam es zu einer Veränderung in der Gestaltung der Fronleichnamsfestes. Nachdem Pfarrer Ludwig Schmitz sich am 29. Mai 1983 wegen seines Alters aus dem aktiven Dienst als Pfarrer von Laffeld verabschiedet hatte, wurde für Laffeld kein neuer Pfarrer mehr ernannt. Dem Pastor von Aphoven, Pfarrer Hubert Sieberichs, wurden vom Bischof der Dienst und die Sorge für die Gemeinden Aphoven und Laffeld übertragen, die fortan in einem Kooperationsmodell zusammenarbeiteten. Die gute Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinden hat sich besonders bei der gemeinsamen Fronleichnamsfeier gezeigt. Im jährlichen Wechsel zieht die Fronleichnamsprozession von Aphoven nach Laffeld und umgekehrt unter Beteiligung der Schützenbruderschaften der beiden Dörfer. Sogar das Trommler- und Pfeifercorps "Cäcilia Laffeld" nimmt in Uniform teil. In Laffeld wird an den beiden oben genannten Kapellchen an der Maarstraße Halt gemacht; in Aphoven sind in der Talstraße an den Häusern Heynen und Claßen die Fronleichnamsaltäre aufgebaut. Auch Pfarrer Günter Wiegandt, von 1996 bis 2005 Pastor von Aphoven/Laffeld, jetzt in Kohlscheid tätig, hat die bewährte Lösung zur Gestaltung der Fronleichnamsfeier beibehalten. Seit Herbst 2005 wirkt das Pastoralteam Propst Günter Meis, Heinsberg, Kaplan René Mertens, Heinsberg, die Gem.-Ref. Michaela Klüttermann und Gem.-Ref. Heinz-Peter Pelzer in der Gemeinschaft der Gemeinden Aphoven, Heinsberg, Laffeld, Schafhausen und Unterbruch. Wie gewohnt fand am 15. Juni 2006, dem Fronleichnamsfest, die gemeinsame Fronleichnamsprozession statt. Sie führte von der Kirche Herz-Jesu Aphoven nach St. Josef Laffeld unter Mitwirkung von Kaplan R. Mertens.

Manches unterliegt allerdings dem Wandel der Zeit. So sind die Hausaltäre und die Prunkpfähle entlang des Prozessionsweges seit Mitte der achtziger Jahre verschwunden. Erfreulich ist es, dass die katholischen Christen der beiden Gemeinden noch sehr zahlreich an der Fronleichnamsfeier teilnehmen.

Bau eines Fronleichnamsaltars
in der Schreinerei Lowis

Dorfkreuz aus dem Jahr 1867
(alter Standort)

 

Kapellchen Maarstraße/Ecke Pütterstraße